Der errechnete Termin – warum du nicht an deinem Termin gebären wirst

Der Termin – eine so wichtige Information, gleich am Anfang einer Schwangerschaft. Wird es ein Sommer-Baby, oder gibt es ein Neugeborenes kurz vor Weihnachten? Wird es den Geburtstagsmonat mit einem Geschwisterchen teilen? Kommt es noch dieses Jahr zur Welt?

Wann wir geboren werden ist ja eigentlich nicht so wichtig – oder doch? Hier entdecken wir, wir der Termin überhaupt entsteht und erklären dir, weshalb er dir eigentlich egal sein kann. Denn du kannst davon ausgehen, dass du nicht am Tag deines Termins gebärst – jedenfalls ist es nicht wahrscheinlich. Nur etwa 4% der Frauen gebären genau am Termin. Die meisten Erstgebärenden gebären nach dem Termin.

Wie entsteht der errechnete Termin?

Mit einem starken Verdacht oder nach einem positiven Ergebnis im selbst durchgeführten Schwangerschaftstest Zuhause rufst du deine Gynäkologin an, um die erste Vorsorgeuntersuchung zu vereinbaren. Voller Vorfreude gibst du alle Infos, die du bisher hast, in einen Online-Rechner ein, um den Termin herauszufinden. In welchem Monat kommt dein Baby? In welchen Monaten wirst du hochschwanger sein?

Je nach Frauenklinik kriegst du zwischen der 8. und der 12. Schwangerschaftswoche den ersten Termin zur Vorsorgeuntersuchung. Bevor der Termin aber gesetzt wird, wirst du bereits am Telefon nach dem “ersten Tag deiner letzten Periode” gefragt und eventuell auch nach der durchschnittlichen Dauer deiner Periode. Bei der Frage, ob die Patientin vor der Schwangerschaft einen regelmässigen Zyklus hatte, stolpern die ersten. Nicht alle Frauen dokumentieren ihren Zyklus genau, und nicht alle mögen sich auf der Stelle erinnern, ob ihr Zyklus auf den Tag genau regelmässig war. Andere haben dies ganz genau dokumentiert, oder können bereits Auskunft geben, weil sie ein unregelmässiger Zyklus hatten oder vielleicht bereits eine längere Kinderwunschzeit hinter sich haben. Auf jeden Fall scheint diese Frage für viele Frauen keine einfache zu sein – und oft ist einer Patientin nicht klar, wie wichtig ihre Angaben zu dieser Frage sind. Viele Frauen “geben bei der Anamnese einen regelmässigen Zyklus an, weil sie danach gefragt werden. Auch geht man davon aus, dass sich Frauen an den Tag der letzten Regel erinnern. Dies ist allerdings nicht selbstverständlich” (Obstetrica 7/8 2019). Wie regelmässig sind aber unsere Zyklen, mal ehrlich?

Manche Frauen haben diese Infos notiert – vielleicht nach dem sie ihre Verhütung abgesetzt hatten. Das heisst aber nicht, dass sie am Telefon die nötige Auskunft geben können, da für viele der Zyklus nicht monatlich immer 28 Tage ist. Denn ein absolut regelmässiger Zyklus ist eigentlich eine grosse Ausnahme. Zyklusforscher haben dies nun bestätigt: Die Auswertung 9846 Zyklen von 210 gesunden Frauen zwischen 19 und 45 hat gezeigt, dass “lediglich 3% der Frauen eine Schwankungsbreite von nur drei Tagen in ihrem Zyklus innerhalb eines Jahres hatten. Bei 58% der Frauen schwankte die Zykluslänge innerhalb eines Jahres um mehr als sieben Tage.“ (Raith-Paula et al. 2008)

Bei 58% der Frauen schwankte die Zykluslänge innerhalb eines Jahres um mehr als sieben Tage.

(Raith-Paula et al. 2008)

Warum sind diese Angaben für die erste Vorsorgeuntersuchung wichtig? Weil die Berechnung des Schwangerschaftsalters nach der letzten Periode gemacht wird. Dein*e Gynäkologe*in nimmt an, dass der Eisprung am 14. Tag deines Zyklus stattgefunden hat. Dann wird der erste Tag deiner letzten Periode genommen, die übliche Schwangerschaftsdauer dazu addiert und schon wird ergibt sich das magische Datum: der Geburtstermin. Leider ist es aber nicht so einfach. Noch tragischer ist, dass das Festhalten am Termin nicht nur viele Frauen enttäuscht oder frustriert, sondern es noch viele schwerwiegendere Folgen haben kann.

Warum die Berechnung eines genauen Termins nicht möglich ist

Wenn wir jetzt annehmen, dass du weder ein regelmässiger Zyklus hattest, noch genau weisst an welchem Tag du deinen Eisprung hattest (Konzeptionstermin), dann ist die oben-beschriebene Art von Berechnung bereits sehr ungenau.

Was ist wenn deine vorletzte Periode 3 Tage später kam als sonst? Dein Eisprung dann 4 Tage später stattfand? Schon ist dein Termin um eine ganz Woche verschoben – möglicherweise weiss es nur dein Baby.

Auch wenn du den genauen Zeitpunkt der Entstehung deines kleinen Wunders wüsstest (durchaus möglich, und bei IVF Fällen sowieso), dann sind andere Ungenauigkeiten vorhanden – vielleicht schwimmt das befruchtete Ei noch etwas rum bevor es sich in der Schleimhaut deiner Gebärmutter ein Zuhause findet. Des Weiteren ist es mittlerweile bekannt, dass nicht jedes Baby sich gleich schnell entwickelt. Babys haben verschiedene Tempos, wie wir Erwachsene auch. Die einen entwickeln sich schneller und sind bereits mit 37 oder 38 Wochen so weit, andere brauchen 42 oder sogar 43 Wochen. Wissenschaftler haben zudem bestätigen können, dass das Wachstum eines Babys nicht linear, sondern in Schüben geschieht. Die Schätzung anhand des Ultraschalls zeigen lediglich Durchschnittswerte an. Wir sind alle unterschiedlich – zum Glück, sonst würde es ganz schön langweilig werden.

Wissenschaftler haben zudem bestätigen können, dass das Wachstum eines Babys nicht linear, sondern in Schüben geschieht.

Auswirkungen auf die Schwangerschaft und Geburt

Nehmen wir jetzt an, du hast den errechneten Termin bekommen und befindest dich bereits in einer späteren Vorsorgeuntersuchung. Oft wird der Termin um Tage noch verschoben – oft wenn die Ultraschalluntersuchung im Zeitraum zwischen der 8. und 12. Schwangerschaftswoche eine Differenz von mehr als 7 Tage ergibt. Auch wenn der medizinsche Fortschritt wahnsinnig Gutes erreicht hat, kann einfach kein*e Gynäkologe/in mit 100% Genauigkeit solche Messungen vornehmen. Die Strukturen sind so klein, da geht es um Millimeterarbeit. Auch muss das Kind richtig liegen und eine neutrale Kopfhaltung haben. Die Genauigkeit der Terminbestimmung nimmt nach der 12. Schwangerschaftswoche stark ab. Auch hat sich gezeigt, dass sich Jungen und Mädchen unterschiedlich entwickeln. Durchschnittlich fangen bereits im Mutterleib Jungen früher an zu wachsen, bzw. früher an Gewicht zuzunehmen, als Mädchen. 

Es bestimmt nicht nur das Baby

Nein, auch ihr, liebe Eltern, tragt zur unterschiedlichen Schwangerschaftsdauer bei. Eure Gene, Herkunft und Ernährung können einen Einfluss darauf haben. Auch, ob das euer erstes, oder zweites, drittes, viertes Kind ist.

Also wenn du gefragt wirst, wann dein errechneter Termin ist, wäre die exakteste und genauste Antwort, die du geben könntest, wahrscheinlich “Mitte April” oder “Ende Juni bis Mitte Juli”. Natürlich wollen Arbeitgeber und medizinisches Personal einen genauen Tag, weil an etwas müssen sie sich auch orientieren können – aber wenn man das ganz konkret anschaut, sind diese Versuche wirklich nichts anderes als pures Raten.

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