Laila’s Geburt

Als ich erfuhr, dass ich zum zweiten Mal schwanger war, spürte ich im ersten Moment vor allem Angst. Angst vor der Geburt. Diese Gefühle waren so stark und haben mich alltäglich begleitet, sodass ich etwas unternehmen wollte dagegen. Ich meldete mich schon relativ früh zum Hypnobirthing-Kurs bei Hannah von Die Positive Geburt an, weil ich der Überzeugung war, dass die Gedanken, mit welcher man zur Geburt geht, eine ganz grosse Rolle spielen. 

Im Kurs lernte ich, dass es wirklich möglich ist, eine schöne Geburt zu erleben und dass man ganz viel dazu beitragen kann. Also begann ich an mir zu arbeiten. Ich hörte Meditationen, Entspannungsreisen, machte mentale Geburtsvorbereitungsübungen und klebte überall positive Affirmationen hin. 

Doch immer wieder kamen Zweifel hoch. Ist das wirklich möglich? Kann das sein? Warum reden dann alle so negativ über ihre Geburten? Diese Gedanken versuchte ich aber immer wieder wegzuschieben und mich auf meine positive Einstellung zu fokussieren. 

Es war kurz vor ET und ich sage meinem Mann, dass ich das Gefühl habe, dass das Kind bald kommt. Ich spürte immer wieder diesen Druck nach unten und die Vorwehen liessen mich in der Nacht erwachen. Ebenso in der Nacht vor ET. 

Am Morgen stand ich auf und hatte so komische Rückenschmerzen. Sie kamen und gingen. Bis 10 Uhr dachte ich mir nichts dabei, doch plötzlich fiel mir eine gewisse Regelmässigkeit auf. Konnten das Wehen sein? Ich begann zu stoppen. Tatsächlich alle 8 Minuten kam eine Wehe. Ich rief meine Schwester an und fragte sie, ob das sein könne, dass sich das so anfühlt. Sie meinte, ich solle doch meine Hebamme fragen. Einen Termin mit ihr hatte ich sowieso schon abgemacht an diesem Tag um 14.00 Uhr. Also wartete ich und beobachtete weiter. Die Abstände wurden kürzer, doch noch immer war ich nicht sicher, ob es nun wirklich beginnt. 

Ich wollte gleich losfahren, da merkte ich, dass ich vielleicht besser meinen Mann und meinen Sohn mitnehme, falls es wirklich losgeht. Bei der Kontrolle war meine Hebamme ganz überrascht. Sie erwartete mich noch nicht. Doch sie bestätigte mir die Wehen mit Abstand von 5 Minuten. Muttermund war bei 2 cm. Ich habe mich da schon sehr auf meine Atmung konzentriert, ich merkte, wie es mir half. Sie schickte mich nach Hause, ich soll mich melden, wenn es vorwärts geht. 

Auf dem Heimweg wurde es doch etwas intensiver mit den Wellen. Kaum zuhause angekommen ging es los, im Minutentakt. Ich spürte, dass es nicht mehr so lange gehen kann und rief meine Hebamme an. Sie meinte, ich solle mich noch etwas hinlegen und auf 17.00 Uhr ins Spital fahren. Um ca 17.30 Uhr waren wir da, kaum stieg ich aus dem Auto platzte meine Fruchtblase. Die Wellen waren sehr intensiv und ich kam schon näher an meine Grenzen. 

Kaum war ich im Gebärsaal, untersuchte mich meine Hebamme, der Muttermund war praktisch bei 10 cm, nur ein Saum war noch zu spüren. Ich durfte noch nicht pressen, obwohl ich einen unglaublichen Drang verspürte. Ich versuchte immer wieder mit meinen Gedanken bei der Atmung zu bleiben, manchmal gelang es mir, manchmal nicht. 

So ging es noch eine halbe Stunde weiter, dann durfte ich mitpressen. Es war ein Kraftakt, ich fühlte mich, wie nie zuvor in meinem Leben. Ich konnte kaum glauben, wozu mein Körper in der Lage ist. Die Zeit während dem Pressen kam mir am Längsten vor. Ich dachte immer, jetzt müsste doch das Kind schon lange da sein. Doch meine Hebamme beruhigte mich, das sei ein Prozess, das geht Schritt für Schritt, genau so wie es sein soll. 

Doch plötzlich änderte sich etwas an der Emotion im Raum. Bei jeder Presswehe konnten mein Mann und die Hebamme das Köpfchen sehen vom Baby. Und sie motivierten mich, zu pressen und mitzuatmen. 

Und nun ging es schnell, noch zweimal richtig pressen und Laila war geboren. 

Ich war überwältigt. Überwältigt von der Kraft, die ich hatte. Noch nie in meinem Leben hatte ich dieses Gefühl, wirklich etwas vollbracht zu haben. Aber da hatte ich es. Es war ein Wunder für mich. 

Seit diesem Moment verging kein Tag, an dem ich nicht sehnsüchtig an die Geburt und an die damit verbundenen Gefühle zurückdachte. Ich bin unendlich dankbar für diese Erfahrung, die mir niemals jemand nehmen kann. 

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