Was ist denn eigentlich HYPNOBIRTHING?

Beim Versuch, Hypnobirthing in einem Satz zusammen zu fassen, scheitern selbst die erfahrensten Kursleiter*innen. Warum? Hypnobirthing ist extrem vielfältig und als Angehensweise an die Geburt so flexibel, dass jedes Geburtspaar davon profitieren kann. Hypnobirthing klingt in erster Linie schon etwas mystisch – es kann aber noch vieles, vieles mehr.

Hypnobirthing ist eine umfassende, mentale Geburtsvorbereitung, die 

  • Dir Selbstvertrauen in deine eigenen Stärken als Mutter und deinen Körper gibt,
  • Dir handfestes und logisches Wissen für die Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett schenkt und 
  • Dir ein positives Geburtserlebnis bereitet. 

Der englische Begriff wurde durch die amerikanische Pädagogin Marie Mongan geprägt, die in den 80er Jahren, die HypnoBirthing-Methode entwickelte. Mongans Erkenntnisse stützen sich auf einen britischen Gynäkologen, der sich bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts für natürliche Geburten einsetzte: Dr. Grantly Dick-Read. Er erkannte, dass Angst und Unwissenheit die schlimmsten Feinde einer natürlichen Entbindung sind. Dieses Phänomen nannte er „Angst-Verkrampfungs-Schmerz-Syndrom“, das auch bereits vor der Geburt durch Gedanken und Erwartungen ausgelöst werden kann. 

Diese negativen Gedanken entstehen jedoch nicht nur im Alleingang in deinem Kopf. Sicherlich werden auch deine Ängste mit schrecklichen Erzählungen und Erfahrungen gefüttert, die von Freundin zu Freundin, Arbeitskollegen zum Arbeitskollegen oder gar Generationen zu Generation weitergegeben werden, und die Geburt als einen qualvollen Akt darstellen. Diese Erzählungen lassen uns glauben, dass wir keinen Einfluss über diesen schrecklichen Akt der Geburt haben, dass uns Hebammen und Ärzten retten müssen, und dass wir uns alle glücklich schätzen können, nach der Geburt wohlauf zu sein. Diese Beschreibung ist noch relativ mild – es ist heutzutage einfach, Horrorgeschichten zu Geburten zu finden. Leider werden diese oft ausgeschmückt und übertrieben dramatisch weitergegeben.

Um Frauen vor diesen traumatischen Erlebnissen zu schützen, entwickelte Dick-Read die „pränatale Psychoprophylaxe“. Hierbei wurde die werdende Mutter seelisch und körperlich mit mentalen Übungen und Gymnastik gestärkt, um die Geburt zu einem schönen Erlebnis werden zu lassen – ganz ohne Schmerzmittel oder Narkotika.

Heute wird diese Technik „mentale Geburtsvorbereitung“ oder -à la Mongan- ganz einfach „Hypnobirthing“ genannt und wurde mittlerweile um zahlreiche moderne und wissenschaftliche Erkenntnisse erweitert.

Inwiefern ist hier Hypnose enthalten?

Obwohl dem Begriff Hypnose etwas Mystisches anhängt, so wirst du schnell feststellen, dass es sich hierbei nicht um eine esoterische oder spirituelle Theorie handelt. Die Techniken sind solide, praktisch und mit dem gesunden Menschenverstand nachvollziehbar. Hypnose ist ein Teil der Hypnotherapie, deren Wirksamkeit wissenschaftlich gut belegt ist.

Was ist das Ziel von Hypnobirthing?

Ziel ist es, Ängste in der Mutter oder dem Paar zu lösen und der Mutter eine selbstbestimmte Geburt ihres Kindes zu ermöglichen, die sie positiv in Erinnerung behält – egal wie die Geburt verläuft. Wenn du Hypnobirthing wählst, wirst du schnell merken, es geht hierbei um dein Wohlergehen und das deines Kindes – in der Schwangerschaft aber natürlich auch während der Geburt. Dein Wohlergehen wird von verschiedenen Seiten her angegangen – mit Tiefenentspannung, den besten Atemtechniken und dem Aufbau von Vertrauen in dir und deinem Kind. Auch dein Partner oder Partnerin können von diesen Techniken profitieren. Hypnobirthing hilft bei jeder Geburt – egal ob sie eine schnelle, natürliche Geburt oder eine geplante Kaiserschnittgeburt ist.

Wie viele Eltern sich vorbereiten

Auf eine Geburt will vieles organisiert und vorbereitet werden. Als angehende Eltern überlegt man sich, was man für die Ankunft des Kleinen alles braucht, worauf man eventuell auch verzichten möchte und wie die Wochenbettzeit gestaltet wird. Dies ist eine wunderbare Zeit – die Vorfreude und die Liebe für das kleine ungeborene Wesen sind schon riesig und das soll auch so sein.

Leider gehen aber einige Sachen dann auch vergessen, welche schon eine grosse Relevanz für die Ankunft des Babys hätten. Das sind Überlegungen rund um die Geburt.

Es passiert leider zu oft, dass Eltern ohne gross zu zögern einen Ort zum Gebären aussuchen (oft das Krankenhaus, das am nähesten liegt) und sich nach dieser Entscheidung keine grossen Gedanken mehr zum Thema machen. Vielleicht lassen sie sich von Erzählungen und Geschichten von anderen Geburten beeinflussen und die Mutter macht sich dann kurz Gedanken zum Thema Schmerzlinderung – leider viel zu oft dann auch mit Angst oder Horrorgeschichten verbunden. Auch wenn man sich noch etwas mehr informiert, und vielleicht ein Geburtshaus reserviert oder mit einer Beleghebamme spricht, gehen Eltern oft noch zu wenig vorbereitet auf ihre Geburt zu. Und das ist schade.

Plant man eine Weltreise, so informiert man sich möglichst umfangreich über die Länder und deren Sitten, damit man einen schönen Aufenthalt geniessen kann. Denn würde man einen Marathon planen, würde man dementsprechend trainieren (und nicht nur die Ausstattung dafür kaufen!). Und eine Geburt ist nichts anders. Ich würde sogar wagen zu behaupten, dass die Geburt eines Kindes wahrscheinlich einst der wichtigsten Ereignisse im Leben der Eltern ist.

Knowledge is power. Wissen ist Macht – die Macht selber zu entscheiden. Nebst den herkömmlichen Aspekten einer Geburtsvorbereitung bietet ein Hypnobirthingkurs umfangreiche Infos zu allen Aspekten und Gebieten einer Geburt. Somit seid ihr als Eltern informiert, was euch für Optionen überhaupt offen stehen.

Denn du hast eine Wahl – du hast immer eine Wahl.

Das beginnt bei der Wahl des Geburtsortes bis hin zu vaginalen Untersuchungen kurz vor der Geburt. Im Hypnobirthing geht es darum zu verstehen, dass wenn du deine Optionen kennst, und über die Konsequenzen dieser Optionen Bescheid weisst, auf dem richtigen Weg bist, deine Traumgeburt zu erleben.

Warum? Wenn du verstehst, dass du eine Wahl hast, hast du die Kontrolle über die Situation. Wenn du die Kontrolle über die Situation hast, fühlst du dich sicher und selbstbewusst. Wenn du dich sicher und selbstbewusst fühlst, bist du auch ruhig, du fühlst dich gut. Die mentale Ruhe hat eine grosse physische Auswirkung – auf deine Hormone, auf deine Atmung, auf deinen Körper. Und diese Ruhe gibt dir die nötige Geborgenheit, während du dein Baby gebärst.

Deshalb lohnt es sich, die Vorbereitung auf die Geburt richtig anzugehen. Überlege dir: Was ist dir wichtig? Welche Art von Geburt wünschst du dir bzw. deinem Baby? Welche Art von Begleitung könnte dir bzw. euch zu dieser Geburt verhelfen? Begib dich in die Hände dieser Personen – ob das dann die richtige Geburtsvorbereitung, die richtige Beleghebamme oder den richtigen Ort ist. Denn sowie der berühmte Arzt und Geburtshelfer Michel Odent schon gesagt hat: Es ist nicht egal wie wir geboren werden.

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